
Italien, seit Jahrzehnten das beliebteste Reiseland Europas, kämpft zunehmend um seine Spitzenposition im Tourismus. Trotz starker Einbrüche im Krisenjahr 2009 ist für 2010 keine Besserung in Sicht. Die laufende Buchungssaison liegt bis zu drei Prozent unter dem Vorjahreswert, die Tendenz zu Last-Minute-Entscheidungen und All-inclusive-Paketen macht den verwöhnten Italienern zu schaffen.
Überdies stagniert das nationale Werbebudget. So stehen der Tourismusagentur ENIT für 2010 nur zehn Mio. Euro zur Verfügung, war auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) am Mittwoch in Berlin zu hören, 60 Prozent davon gehen in den deutschsprachigen Markt.
Die seit dem Vorjahr laufende nationale Werbekampagne "Italia much more" konnte das Ruder nicht herumreißen. Vor allem Flugreisen nach Süditalien sind massiv eingebrochen, mit dazu beigetragen hat das Preis-Leistungs-Verhältnis, das in Italien vergleichsweise schlecht ist. "Wir werden nie ein billiges Reiseland sein", war dann auch der offizielle Kommentar auf der ITB. Mit allen angesichts der schwierigen Budgetlage noch verbliebenen Mitteln werden jetzt "Co-Marketingmaßnahmen" auf dem deutschen Markt gesetzt, so unter anderem mit nationalen Marken wie Fiat Lancia, Piaggio oder St. Pellegrino.
Italien tröstet sich damit, gegenüber anderen Mittelmeerdestinationen weniger verloren zu haben und im Wettbewerb besser abzuschneiden. Doch die großen Reiseveranstalter TUI, Neckermann, DERTOUR und ITS verzeichnen durch die Bank rückläufige Buchungszahlen. Dass die politischen Querelen in Italien die Reisefreudigkeit der Nachbarn in das Land der Träume beeinflussen, will niemand glauben. Einzig der Trend zu Autoreisen zeigt eine deutliche Sprache: 15 Prozent Zuwachs - davon profitiert vor allem der Norden des Landes.
Was dem Land offensichtlich fehlt, ist eine klare Zukunftsstrategie. Zu lange haben sich die Verantwortlichen auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht. Auf der wichtigen Pressekonferenz anlässlich der ITB wurden so lang und breit Promotiondetails aus dem vergangenen Jahr (142 Events!) ausgebreitet und weitere Festivitäten und Auftritte angekündigt, aber eine Kernbotschaft blieb aus. Offen blieb die Frage, was Italien tut, um seinen einzigartigen Rang als Top-Tourismusdestination auszubauen. Für halbherzige Ansagen ist jetzt keine Zeit mehr, eine nationale Kraftanstrengung wäre angesagt.(pte)
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