
Die britische Billig-Fluglinie Ryanair droht, sich aus Deutschland zurückzuziehen. Das ist die Reaktion auf die Steuerpläne der deutschen Bundesregierung. Ab 2011 will diese rund eine Milliarde Euro mehr aus dem Luftverkehr holen. Für jeden Kurz- und Langstreckenflug schwebt Berlin zur Sanierung des Haushalts eine Abgabe von 13 beziehungsweise 26 Euro vor - mehr als bisher angenommen.
Wird die Fluggebühr eingeführt, will Airline-Chef Michael O'Leary die bislang deutschen Standorte in Nachbarstaaten wie die Niederlande verlagern. Hier wurde die Steuer wegen Misserfolgs wieder eingestellt.
"Die Abgabe ist nicht sinnvoll und Ryanair wäre davon stark betroffen", so Jürgen Pieper, Analyst bei Metzler Equities. "Das Unternehmen hat recht, sich darüber zu beschweren." Wie das Beispiel der Niederlande gezeigt hat, überwiegen im Vergleich zu den Mehreinnahmen aber auch für den Staatshaushalt die negativen Folgen. So drohen nicht nur Airlines und das Flugangebot sondern auch Passagiere ans Ausland verloren zu gehen.
"Die Flughäfen in Zürich, Amsterdam, Brüssel oder auch Wien bilden eine starke Konkurrenz für Deutschland", meint Pieper. Andererseits hat sich der Kunde, an den die Steuer schließlich weitergegeben wird, ohnehin bereits an die verschiedenen Aufschläge auf den Flugpreis gewöhnt. Geschäftsreisende machen ihre Reisegewohnheiten zudem wohl kaum von der Zusatzabgabe abhängig. "Ein Betrag in dieser Größenordnung fällt da kaum ins Gewicht", so der Experte. Allerdings bilden die Zusatzkosten gerade im Segment der Billig-Flieger eine Verlustgefahr.
Bei Durchsetzung der Steuer droht Ryanair damit, die Maschinen von den Airports Hahn, Weeze und Bremen abzuziehen. Darüber hinaus will Fluglinien-Boss O'Leary auch andere deutsche Ziele überdenken. "Die vorgeschlagene Touristensteuer macht Deutschland zu einem teuren Reiseziel", wird der Ryanair-Chef vom Branchenportal eTN zitiert. Sie schadet dem Wettbewerb und führt zu Verlusten an Besuchern, Jobs und Einnahmen im Tourismus, so O'Leary. Die gesamte Luftfahrtbranche hat gegen das Vorhaben der Regierung protestiert. (pte)
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